Wer hier mitmischt, der stirbt!

Foto: Gemeinschaft in der ev. Kirche Flensburg

Bei einer Evangelisationswoche traf ich ihn in Flensburg. Der junge Mann erzählte aus seinem Leben. Wer Niels Petersen heute begegnet, kann kaum glauben, dass vor wenigen Jahren sein Lebensmotto hieß: „Werde reich oder stirb bei dem Versuch dabei.“ Als er 16 war, rauchte fast jeder in seinem Umfeld Gras. Niels merkte schnell, dass er auf diesem Gebiet sein Taschengeld aufbessern konnte. Das Geschäft wuchs und bald hatte er in der Szene einen Namen.

Partys, Frauen und Drogen

Mit 23 flog er wegen einer Frau nach Kolumbien, verliebte sich und blieb. Schnell hatte er erste Kontakte, tief verwurzelt in kartellähnlichen Strukturen. Angekommen war er in einer Welt, in der Geld und Macht das Sagen haben. Ein Menschenleben war da nichts wert. Als die Liebesbeziehung zerbricht, geht Niels in die Stadt des berühmtesten Drogenbosses Pablo Escobar – nach Medellin. Er eröffnet eine Diskothek für Leute mit Geld. Täglich gab es Partys, Frauen und Drogen. In Medellin sagt man: „Wer hier mitmischt, der stirbt!“ Hautnah bekam Niels mit, wie gefährlich so ein Leben ist. Freunde von ihm wurden erschossen, erstochen oder gekidnappt. Selber entkam er nur haarscharf einem Kidnapping.

50 Monate Knast

Weil es nicht mehr lief, schloss Niels seine Diskothek. Auf eigene Faust wollte er sein Ding drehen, um an Geld zu kommen. Dabei flog er auf, wurde am Flughafen in Bogota mit einem halben Kilo Kokain erwischt. „Ich kam direkt vor den Haftrichter in Bogota, der mir 8 – 12 Jahre gegeben hatte.“ Niels akzeptierte nicht, bekam dann 50 Monate aufgebrummt und fuhr in den gefährlichsten Knast Kolumbiens ein – in Bogota: 10.000 Häftlinge auf einem Gelände, das für 3000 ausgerichtet war. Er konnte noch die Einschusslöcher in den Wänden erkennen, die von einem Krieg mitten im Knast erzählten. Jetzt, ein Jahr später, gab es immer noch Waffen und Morde im Gefängnis.

Zum ersten Mal nahm der junge Mann wahr, dass er nichts mehr in seinem Leben selber in der Hand hatte. Eine Mischung aus Angst, Hoffnungslosigkeit und Impotenz machte sich breit.

Heulte wie ein Schlosshund

In dieser Situation wurde Niels „durch irgendetwas“ in den Knast-Gottesdienst gelenkt. Er hörte den Pastor sagen: „Jesus Christus ist unsere Hoffnung. Vertraue auf ihn. Leg dein Leben in seine Hand und er wird alles zum Besten machen. Jesus Christus kam in die Welt, um für eure Sünden am Kreuz zu sterben, damit ihr ewig leben könnt.“ Bei diesen Worten fiel Niels auf die Knie und fing an wie ein Schlosshund zu heulen. Er erkannte: „Ich hatte mein Leben komplett verkackt.“ Er bekannte seine Sünden, bat im Gebet um Vergebung und übergab Jesus sein gesamtes Leben. Ab diesem Augenblick begann Niels die Bibel zu studieren. Fünf Monate später wurde er in einem Wassertank – in dem sonst die Wäsche gewaschen wurde – getauft.

Nach seiner Entlassung auf Bewährung, er hatte 2½ Jahre gesessen, ging es über Umwege zurück nach Deutschland. Hier führt er sein neues Leben als Christ weiter, das er in Kolumbien im Knast begonnen hatte. Er gründete wieder eine Firma, aber drogenfrei! Letztes Jahr hat er seine wundervolle Frau aus Kolumbien geheiratet. Inzwischen freuen sie sich auf ihr erstes Kind und beide wollen anderen Menschen von Jesus erzählen. DENN: Wer bei Jesus mitmischt, der lebt, auch wenn er stirbt!
Lutz Scheufler